ira

Wer bist Du?

Ich bin ira. Hätte mein erstes TomTom WGS84-Koordinaten verarbeiten können, hätte ich schon 2006 angefangen, aber so dauerte es dann noch bis Mai 2008, bis ich mich bei Groundspeak als perenquen anmeldete (im Laufe der Zeit hab ich mich zwei Mal umbenannt und jetzt heiße ich ira). Damals wurde ich ziemlich plötzlich Stiefmutter eines fünfzehnjährigen Jungen und beschloss das relativ günstige etrex zu kaufen und mit einem Hobby für die ganze „Familie“ zu beginnen. Ich schaltete das Gerät an und ging in der Nachbarschaft einen Multi suchen. Die Koordinaten auszurechnen klappte gut und dann wusste ich nicht, wie ich sie ins Gerät kriegen sollte. Also stolperte ich durch den Wald und versuchte die angezeigten Koordinaten mit den gewünschten Koordinaten in Übereinstimmung zu bringen. Es gelang! Ich war ja so happy! Mich hat also damals das Cachervirus augenblicklich und heftig infiziert, die Kerle eher weniger. Es dauerte nicht lange und der Vater des Teenagers maulte: „laaaaaaangweilig“ und auf der Couch hocken blieb, kurz drauf imitierte ihn sein Sohn. Nicht zuletzt dadurch löste sich diese „Familie“ irgendwann wieder auf.

Na gut, dann geh ich halt alleine! D. h. natürlich nicht ganz alleine, denn mich begleiten immer meine Hunde und meine Kamera. Schon nach knapp drei Monaten wurde ich Premium-Mitglied und gleichzeitig fing ich an, auf Events zu gehen und andere Cacher kennen zu lernen. Ich weiß noch, als ich das erste Mal in freier Wildbahn zwei Cacher traf: ich war ja sooo neugierig.

Die erste Zeit ging ich also meistens alleine los und suchte alles ,was in der engsten Homezone liegt. Aber wie das so geht, die Homezone wird schnell immer leerer (die Cachedichte war 2008 auch noch nicht so hoch) und man muss anfangen, immer weitere Ausflüge zu machen. Alleine macht das nicht so viel Freude und so fand ich bald lauter nette Kollegen, die das gleiche Problem hatten. Über die Jahre entwickelten sich viele gute Bekanntschaften, ein paar großartige Freundschaften und noch besser: eine davon entwickelte sich sogar zu einer Partnerschaft! Ich kann jedem Geocacher nur raten, sich einen anderen Cacher zum Partner zu nehmen, das macht das Cacherleben so viel einfacher und schöner! Und man gewinnt eine zweite Homezone dazu, das ist auch nicht zu vernachlässigen!

Im November 2008 wollte meine Mutter ihren Geburtstag auf Malta feiern und natürlich nicht alleine. Meine erste Frage war: gibt es da Caches? Es gab. Ungefähr 32 Stück zu der Zeit und an dem verlängerten Wochenende dort konnte ich sogar sieben davon finden. Warum ich das erzähle? Urlaubsziele ohne Caches sind völlig indiskutabel! Heutzutage planen wir unsere Urlaube und Kurzurlaube durchweg um Geocaching-Ziele: wo ist ein schönes Event oder ein Mega? Wo gibt es coole Caches? Wo lohnen sich die Earthcaches?

Welche Typen cachst Du und warum?

Mein allererster Cache war also ein Multi. Ich hatte noch nie Berührungsängste mit irgendwelchen Cachetypen, oder das Gefühl, dass irgendwas noch zu schwierig sein könnte. Die Liebe zu Multis ist mir allerdings geblieben. Ein schöner Multi mit physischen Stationen, wo man etwas anfassen kann und der Verstand und die Kombinationsgabe gefordert ist, gehört nach wie vor zu meinen Favoriten. Aber Tradis sind auch toll und Letterboxen und Wherigos und Webcams und Mysterys und – ach – eigentlich alles!

Es gibt viele Leute, die sehr selektiv cachen. Ich gehöre eher zu den Heuschrecken: einfallen und abgrasen! Man weiß ja nie, ob der Cache an der Leitplanke sich nicht doch als Juwel entpuppt, oder der Nano im Wald einen zum Staunen bringt!

Eigentlich sind mir inzwischen FTFs ziemlich egal. Eigentlich. Wenn sich dann aber doch einer anbietet, geradezu aufdrängt, kann ich doch nicht widerstehen und steh sogar früher auf, oder gehe abends nochmal aus dem Haus, oder fahre ein Stückchen weiter und in eine ganz andere Richtung.

Mit welcher Ausrüstung ziehst Du los?

Zur Ausrüstung: dass man einen Kugelschreiber braucht, war mir schnell klar, schließlich will man ja nicht ständig mit dem eigenen Blut unterschreiben. Ein Schweizer Taschenmesser habe ich schon seit Grundschultagen im Hosensack, das musste ich nicht aufrüsten.

Die CA hat sich im Laufe der Jahre stetig erweitert: erst der Ersatz-Kugelschreiber, dann kam eine Taschenlampe dazu, ein Magnetstab, die UV-Lampe. Die Teleskop-Leiter, die Watstiefel, der Klettergurt, das 60-Meter-Seil, der Eddi, ein Greifer, der Haken für den Gullydeckel, …, sind in meinem Auto. Zu Hause wartet sogar ein kleines Schlauchboot auf eventuelle Einsätze. Im CM und/ oder in einer der Taschen meiner schwarzen Weste finden sich auch diverse Batterien, Ersatzlogbücher, PETlinge, Schraubenzieher, Magnete, Draht, Zollstock, Klebeband, PH-Teststreifen, na ja, einfach fast alles, was man so brauchen könnte.

Das etrex wurde zum -wie hieß das Ding doch gleich?, – dann zum Montana, zum Monterra und nun liegt es hier im Regal und verstaubt. Je besser die iPhones wurden, desto mehr übernahmen sie. Heute sind sie wasserdicht und die Akkus halten immer länger. Die Apps werden auch immer besser. Cachly und GCBuddy sind unabdingbar! Ohne Cachly geht es ja gar nicht mehr. Den Haupttext hab ich vorgegeben und dann trage ich noch ein, zwei Worte ein und speichere meine Fieldnote. Sobald ich zu Hause Zeit habe, schreibe ich dann ausführliche Logs. Je besser der Cache, desto individueller und länger das Log.

Let’s talk numbers!

Inzwischen hab ich über 19000 Funde, die 81er-Matrix ist über 10 Mal gefüllt, die 366-Matrix ist schon lange erfüllt, aber es gibt ein paar Dinge, die ich nie erfüllen werde: die Jasmer krieg ich sicher nie voll und das HQ oder einen Ape werde ich wohl auch nie besuchen, keinen Bock auf Interkontinental-Flüge! Eigentlich sind mir die ganzen Statistiken absolut schnurz, aber ich ertappe mich dann doch bei einem Event, wie ich meine Statistik mit der eines Kollegen vergleiche und anfange zu prahlen. Im Moment macht mir Sorgen, dass die Labcaches irgendwann die Anzahl der Multis überholen werden. Ist aber auch gemein, dass die immer im Fünfer-Pack kommen und bis auf wenige Ausnahmen viel zu einfach und zu einfallslos sind.

Events

Irgendwann dieses Jahr werde ich voraussichtlich mein 500stes Event besuchen. Events sind einfach toll! Lauter Leute die ebenso verrückt sind, oder zumindest die Verrücktheiten akzeptieren! Egal, wo ich bisher auf einem Event war: man kommt immer mit interessanten Leuten ins Gespräch und findet Gemeinsamkeiten und es ist einfach immer lustig! Das war echt übel während Corona, als es fast keine oder gar keine Events gab!

Trackables

TBs und Coins mag ich auch. Meine Coin-Sammlung ist inzwischen ganz schön schwer. Das Auto hat ein paar Trackables, die Hunde habe welche, in meiner Tasche reisen welche mit und seit 2017 hab ich sogar eines unter meiner Haut: an einer jugendfreien Stelle und hübsch integriert zwischen den anderen Tattoos. Wer mich irgendwo trifft, darf mich vielleicht discovern. Mein erster TB verschwand irgendwann in China, eine Coin kam nach unglaublich vielen KM wieder bis zu mir zurück. Ich hab schon einige TBs losgeschickt und freue mich immer, wenn ich ein Log reinbekomme, aber ich schau nicht mehr nach, wo sie gerade sind, oder ob sie sich überhaupt noch bewegen.

Was findest Du insgesamt am Geocaching am tollsten?

Das ist einfach: ALLES!!! Es ist das tollste und coolste und vielseitigste Hobby der ganzen weiten Welt! Ich bin zu einem richtig guten Spurenleser geworden, ich hab meine Heimat viel besser kennengelernt, als jemals geahnt, ich finde die schönsten Plätze überall auf der Welt, ich kann Rätsel lösen wie ein Profi, ich hab so viele tolle Leute getroffen, ich war in Höhlen und auf Bäumen, hab mich von Brücken und an Steilhängen abgeseilt, weiß, wie es unter Parkbänken aussieht und wie es im Gebüsch einer Raststätte riecht, …, …. Nur zum Taucher werde ich nicht mehr. Und das Angeln überlasse ich auch gerne anderen Leuten.

Dein Owner-Dasein

Ich fing schon nach ein paar Monaten an, selber ein paar Dosen zu verstecken. Inzwischen hab ich mir einen Ruf für fiese Rätsel und schöne Multis erworben. Ein paar der Dosen sind auch ganz originell getarnt und/oder versteckt. Events hab ich natürlich auch schon viele gehostet. Hier daheim und unterwegs im Urlaub auch.

Ich freu mich über jeden Favo den ich kriege, aber noch mehr freue ich mich darüber, wenn ein Finder ein Log schreibt, bei dem klar wird, dass er vor Ort war und meinen Cache wirklich wahrgenommen hat. Und vielleicht sogar meinen Humor teilt oder wenigstens versteht. Wenn ich bei einem besonderen Cache nur ein „mit x und y unterwegs auf den a/b/c/-Runden, bla bla, bla bla“ lese, dann könnte ich manchmal fast sauer werden. Statt so einem Log wäre ein einsamer Smilie doch viel ehrlicher. Kosten sind mir ziemlich egal, aber verbale Anerkennung für einen Cache, der nicht 0815 ist, wäre schon schön.

Wie man anhand der vorangegangenen Sätze unschwer erkennen kann, bin ich Cacher durch und durch. Seit Jahren in der Community aktiv und immer gerne bereit, den Newbies mit Tipps, oder als TJ zur Seite zu stehen. Irgendwie hat sich das wohl rumgesprochen und ich wurde 2021 gefragt, ob ich Reviewer werden will? Ich wollte. Und es ist eine ganz andere und super-interessante Welt! Gut, ich hab nicht mehr so viel Zeit um Rätsel zu lösen, wie früher, aber das ist es wert. Routinemäßig kontrolliere ich bei neuen Caches Größe, D- und T-Wertungen, Location, Attribute, Inhalt des Listings, halt alles, was es mit den Regeln in Einklang zu bringen gibt. Ich kommuniziere mit den Cache-Ownern, erkläre eventuelle Fehler, beantworte jede Menge Fragen, checke Koordinaten, usw. usw….

Die eigentliche Aufgabe dahinter ist aber, dass ich dazu beitrage, dass unser Hobby (das beste Hobby in der ganzen weiten Welt!, hatte ich das schon erwähnt?) funktioniert und weiter bestehen kann. Denn: vorbei sind die Zeiten, als einsame Sucher heimlich und unerkannt durch die Wälder schlichen. Heute hat fast jeder von Geocaching gehört und es gibt Horden von Cachern die auf Powertrails ihre Spuren hinterlassen und leider manchmal auch rücksichts- oder gedankenlos Schäden anrichten. Deswegen gibt es die Guidelines und die sollen dafür sorgen, dass unser Hobby weiterhin in der Gesellschaft akzeptiert wird und bleibt.

Deine Empfehlung für Neucacher?

Also, Ihr Neu-Cacher, lest Euch ein, schaut Euch die Filmchen auf geocaching.com an, trefft andere Cacher auf Events und stellt Eure Fragen direkt und nicht auf Facebook! Die allermeisten Kollegen helfen und unterstützen Euch mit Begeisterung! Und so kriegt man auch die besten Tipps, welche Caches so toll sind, dass man sie unbedingt gemacht haben muss.

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